Das Wichtigste in Kürze
- Shampoo soll vor allem die Kopfhaut reinigen. Die Haarlängen werden beim Ausspülen meist ausreichend mitgereinigt.
- Waschaktive Substanzen (Tenside) unterscheiden sich in ihrer Reinigungskraft. Starke Tenside entfetten gründlich, können aber die Haarfaser rauer machen.
- Der pH-Wert eines Shampoos beeinflusst die Haaroberfläche. In einer Analyse von 123 Shampoos hatten nur rund 38 % einen pH-Wert von 5,5 oder darunter.
- Conditioner glätten die Haaroberfläche, verringern Reibung und statische Aufladung und erleichtern das Kämmen.
- Die richtige Waschhäufigkeit hängt von Kopfhaut, Haartyp und Lebensstil ab. Es gibt keine allgemeingültige Regel.
Haare waschen ist für die meisten Menschen Routine. Trotzdem gibt es viele Fragen: Schadet tägliches Waschen? Brauche ich ein spezielles Shampoo? Wozu ist Conditioner gut? Dermatologische Übersichtsarbeiten haben zusammengefasst, wie Haarpflegeprodukte wirken. Wir fassen die wichtigsten Punkte verständlich zusammen.
Wie das Haar aufgebaut ist
Ein Haar besteht im Wesentlichen aus drei Teilen. Außen liegt die Schuppenschicht (Kutikula), die aus überlappenden, dachziegelartig angeordneten Zellen besteht. Darunter liegt die Faserschicht (Kortex), die dem Haar Festigkeit und Elastizität gibt und die Farbpigmente enthält. In der Mitte befindet sich bei dickeren Haaren das Mark (Medulla). Zwischen den Zellen liegt der sogenannte Zellmembrankomplex, eine Art Kittsubstanz.
Eine intakte, flach anliegende Schuppenschicht reflektiert Licht gleichmäßig, das Haar glänzt und lässt sich leicht kämmen. Wird die Schuppenschicht aufgeraut, etwa durch Hitze, chemische Behandlungen oder mechanische Belastung, wirkt das Haar stumpf und neigt zu Spliss und Frizz.
Was ein Shampoo leistet
Die Hauptaufgabe eines Shampoos ist die Reinigung der Kopfhaut von Talg, Schweiß, abgestorbenen Hautzellen und Stylingresten. Dafür sorgen Tenside, waschaktive Substanzen, die Fett und Schmutz lösen. Wie D'Souza und Rathi in einer Übersichtsarbeit für Dermatologen beschreiben, enthalten Shampoos neben Tensiden weitere Bestandteile: pflegende Substanzen, Verdickungsmittel, Komplexbildner, Stoffe zur pH-Einstellung, Konservierungsmittel und spezielle Wirkstoffe, zum Beispiel gegen Schuppen.
Tenside lassen sich grob in Gruppen einteilen:
- Anionische Tenside, zum Beispiel Sodium Lauryl Sulfate oder Sodium Laureth Sulfate, reinigen sehr gründlich und schäumen stark. Sie können das Haar aber auch rauer machen und empfindliche Kopfhaut reizen.
- Amphotere Tenside, zum Beispiel Cocamidopropyl Betaine, gelten als milder und werden häufig mit anionischen Tensiden kombiniert.
- Nichtionische Tenside, zum Beispiel Glucoside, sind besonders mild.
- Kationische Tenside reinigen kaum, haften aber gut am Haar und werden deshalb vor allem in Conditionern eingesetzt.
Sulfatfreie Shampoos können für empfindliche Kopfhaut, trockenes oder chemisch behandeltes Haar eine Option sein. Sie sind aber nicht grundsätzlich besser. Bei fettiger Kopfhaut oder vielen Stylingprodukten kann eine gründlichere Reinigung sinnvoll sein.
Warum der pH-Wert zählt
Die Haaroberfläche trägt eine negative elektrische Ladung. Je höher der pH-Wert, also je alkalischer ein Produkt ist, desto stärker wird diese negative Ladung. Die Folge: mehr Reibung zwischen den Haaren, mehr Frizz und eine stärkere Beanspruchung der Schuppenschicht. Gavazzoni Dias und Kollegen haben 2014 die Literatur dazu zusammengefasst und den pH-Wert von 123 Shampoos internationaler Marken gemessen.
Die Werte reichten von 3,5 bis 9,0. Nur rund 38 % der Shampoos hatten einen pH-Wert von 5,5 oder darunter, was dem natürlichen pH-Wert der Kopfhautoberfläche entspricht. Bei Anti-Schuppen-Shampoos lag der Anteil bei etwa 19 %, bei Kindershampoos lag kein einziges Produkt bei 5,5 oder darunter. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, beim pH-Wert von Shampoos stärker auf die Gesundheit der Haarfaser zu achten. Leider ist der pH-Wert auf der Verpackung meist nicht angegeben.
Conditioner: mehr als Kosmetik
Conditioner enthalten vor allem kationische, also positiv geladene Substanzen, die sich an die negativ geladene Haaroberfläche anlagern. Dazu kommen häufig Silikone, Öle oder Proteine. Sie glätten die Schuppenschicht, verringern die Reibung beim Kämmen, reduzieren die statische Aufladung und verbessern den Glanz. Laut D'Souza und Rathi richtet sich die Art des Conditioners nach Haarzustand und Bedürfnis: Ausspül-Conditioner für den Alltag, intensivere Kuren für geschädigtes Haar und Leave-in-Produkte für zusätzlichen Schutz.
Gerade bei langen, gefärbten oder hitzegestylten Haaren lohnt sich ein Conditioner: Die Spitzen sind oft schon viele Jahre alt und haben unzählige Wäschen, Bürstenstriche und Stylingvorgänge hinter sich.
Wie oft sollte man Haare waschen?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die Talgproduktion ist individuell sehr unterschiedlich. Wer eine fettige Kopfhaut hat, viel Sport treibt oder Stylingprodukte verwendet, kann problemlos täglich waschen, wenn ein mildes Shampoo verwendet wird. Wer trockenes, lockiges oder krauses Haar hat, wäscht oft seltener, weil der Talg die Längen langsamer erreicht und das Haar schneller austrocknet. Die verbreitete Annahme, dass seltenes Waschen die Talgproduktion langfristig verringert, ist wissenschaftlich nicht belegt.
So wäschst du schonend
- Lauwarmes Wasser: Sehr heißes Wasser kann Kopfhaut und Haar austrocknen.
- Shampoo auf die Kopfhaut: Eine kleine Menge mit den Fingerkuppen sanft einmassieren. Die Längen werden beim Ausspülen mitgereinigt.
- Conditioner in die Längen: Vor allem in Längen und Spitzen auftragen, kurz einwirken lassen und gründlich ausspülen.
- Vorsichtig trocknen: Nasses Haar ist empfindlicher. Statt kräftig zu rubbeln, besser mit einem Handtuch ausdrücken oder tupfen.
- Entwirren mit Geduld: Mit einem grobzinkigen Kamm von den Spitzen nach oben arbeiten.
- Hitze dosieren: Wie man Haare schonend föhnt, erklären wir im Artikel Föhnen oder lufttrocknen?
Wenn die Kopfhaut Probleme macht
Schuppen, Juckreiz, Rötungen oder fettige, gelbliche Schuppen können auf eine Kopfhauterkrankung hinweisen, zum Beispiel auf ein seborrhoisches Ekzem oder eine Schuppenflechte. Anti-Schuppen-Shampoos mit Wirkstoffen wie Ketoconazol, Zinkpyrithion oder Selendisulfid können helfen. Halten die Beschwerden an oder kommt Haarausfall hinzu, ist eine hautfachärztliche Abklärung sinnvoll. Mehr zu den Ursachen von Haarausfall findest du im Artikel Haarausfall bei Frauen.
Fazit
Gute Haarpflege beginnt mit der richtigen Wäsche. Ein mildes Shampoo für die Kopfhaut, ein Conditioner für die Längen und ein schonender Umgang mit nassem Haar sind die Basis. Der pH-Wert eines Shampoos beeinflusst die Haaroberfläche, wird aber selten angegeben. Wie oft man wäscht, hängt von Kopfhaut, Haartyp und Alltag ab. Bei anhaltenden Kopfhautproblemen hilft eine dermatologische Abklärung weiter.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man Haare waschen?
Dafür gibt es keine allgemeingültige Regel. Bei fettiger Kopfhaut, viel Sport oder Stylingprodukten ist tägliches Waschen mit mildem Shampoo problemlos. Trockenes, lockiges oder krauses Haar wird oft seltener gewaschen. Dass seltenes Waschen die Talgproduktion verringert, ist nicht belegt.
Warum ist der pH-Wert eines Shampoos wichtig?
Je alkalischer ein Produkt, desto stärker die negative Ladung der Haaroberfläche, was Reibung und Frizz erhöht. In einer Analyse von 123 Shampoos (Gavazzoni Dias 2014) hatten nur rund 38 % einen pH-Wert von 5,5 oder darunter, was dem natürlichen Wert der Kopfhautoberfläche entspricht.
Wozu braucht man Conditioner?
Conditioner enthalten positiv geladene Substanzen, die sich an die negativ geladene Haaroberfläche anlagern. Sie glätten die Schuppenschicht, verringern Reibung und statische Aufladung und erleichtern das Kämmen. Aufgetragen wird er vor allem in Längen und Spitzen.
Quellen
- Gavazzoni Dias MF. Hair cosmetics: an overview. Int J Trichology. 2015;7(1):2-15. doi:10.4103/0974-7753.153450
- Gavazzoni Dias MF, de Almeida AM, Cecato PM, Adriano AR, Pichler J. The shampoo pH can affect the hair: myth or reality? Int J Trichology. 2014;6(3):95-99. doi:10.4103/0974-7753.139078
- D'Souza P, Rathi SK. Shampoo and conditioners: what a dermatologist should know? Indian J Dermatol. 2015;60(3):248-254. doi:10.4103/0019-5154.156355


