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Ernährung

Haarausfall bei Frauen: Ursachen, Abklärung und die Rolle von Nährstoffen

Vermehrter Haarausfall verunsichert viele Frauen. Wir erklären die häufigsten Formen, typische Auslöser wie Stress, Medikamente und Nährstoffmangel und warum mehr nicht immer besser ist.

· 6 Min. Lesezeit ·

Frau mit offenem Haar

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeden Tag 50 bis 100 Haare zu verlieren gilt als normal. Erst wenn deutlich mehr ausfallen oder das Haar sichtbar dünner wird, spricht man von Haarausfall.
  • Bei Frauen sind zwei Formen besonders häufig: das telogene Effluvium, ein diffuser, meist vorübergehender Haarausfall, und der erblich bedingte Haarausfall (female pattern hair loss).
  • Typische Auslöser des telogenen Effluviums sind Stress, Infekte, Geburt, starke Diäten, Medikamente und Nährstoffmangel.
  • Nährstoffe wie Eisen, Zink und Biotin können bei einem nachgewiesenen Mangel eine Rolle spielen. Ohne Mangel ist ein Nutzen von Ergänzungen nicht belegt.
  • Zu viel Selen oder Vitamin A kann selbst Haarausfall auslösen.

Plötzlich sind mehr Haare in der Bürste, im Abfluss oder auf dem Kopfkissen. Für viele Frauen ist das belastend. Die gute Nachricht: Häufig ist der Haarausfall vorübergehend, und oft lässt sich eine Ursache finden. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die häufigsten Formen, ihre Auslöser und die Rolle der Ernährung. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Der Haarzyklus in drei Phasen

Jedes Haar durchläuft einen Zyklus. In der Wachstumsphase (Anagenphase), die mehrere Jahre dauern kann, wächst das Haar. Es folgt eine kurze Übergangsphase (Katagenphase) und schließlich die Ruhephase (Telogenphase), die etwa drei Monate dauert. Am Ende der Ruhephase fällt das Haar aus, und ein neues beginnt zu wachsen. Normalerweise befinden sich die meisten Haare in der Wachstumsphase und nur ein kleiner Teil in der Ruhephase.

Telogenes Effluvium: wenn viele Haare gleichzeitig ruhen

Beim telogenen Effluvium wechseln durch einen Auslöser plötzlich viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase. Da die Ruhephase etwa drei Monate dauert, fällt das Haar typischerweise zwei bis drei Monate nach dem Auslöser aus. Viele Betroffene bringen den Haarausfall deshalb nicht mit dem eigentlichen Ereignis in Verbindung. Eine Übersichtsarbeit von Asghar und Kollegen aus dem Jahr 2020 beschreibt das telogene Effluvium als eine der häufigsten Ursachen für Haarausfall. Als Auslöser werden unter anderem genannt:

  • körperlicher und emotionaler Stress, etwa nach Operationen, Unfällen oder belastenden Lebensereignissen
  • hohes Fieber und Infekte
  • Geburt (der sogenannte postpartale Haarausfall)
  • starke Gewichtsabnahme und einseitige Diäten
  • Schilddrüsenstörungen
  • Medikamente

Zur Behandlung steht an erster Stelle, den Auslöser zu finden und, wenn möglich, zu beseitigen. In den meisten Fällen erholt sich das Haar danach innerhalb einiger Monate von selbst. Wird der Haarausfall chronisch, sind weitere Untersuchungen sinnvoll.

Medikamente als Auslöser

Zhang, LaSenna und Shields haben 2023 und 2024 in der dermatologischen Fachzeitschrift Cutis eine zweiteilige Übersicht zu Medikamenten veröffentlicht, die ein telogenes Effluvium auslösen können. Der erste Teil behandelt innerlich eingenommene Retinoide, Mittel gegen Pilzinfektionen und Psychopharmaka, der zweite Teil gerinnungshemmende und blutdrucksenkende Medikamente. Ein medikamentenbedingter Haarausfall ist in der Regel umkehrbar. Wer einen Zusammenhang vermutet, sollte Medikamente auf keinen Fall eigenmächtig absetzen, sondern das Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt suchen.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen

Der erblich bedingte Haarausfall verläuft bei Frauen anders als bei Männern. Statt Geheimratsecken und Glatze kommt es meist zu einer zunehmenden Ausdünnung im Scheitelbereich, während der Haaransatz an der Stirn erhalten bleibt. Die Haarfollikel werden dabei schrittweise kleiner und produzieren dünnere, kürzere Haare. Diese Form beginnt oft schleichend und kann in jedem Erwachsenenalter auftreten, häufig nach den Wechseljahren. Für die Behandlung gibt es äußerlich angewendete und innerlich eingenommene Arzneimittel, die ärztlich verordnet und begleitet werden sollten. Eine aktuelle Übersicht dazu haben Ong und Kollegen 2025 veröffentlicht.

Welche Rolle spielen Nährstoffe?

Die Haarwurzel gehört zu den Geweben mit der höchsten Zellteilungsrate im Körper. Es liegt deshalb nahe, dass ein Mangel an Nährstoffen das Haarwachstum beeinträchtigen kann. Almohanna und Kollegen, darunter die Haarspezialistin Antonella Tosti, haben 2019 in Dermatology and Therapy die Studienlage zu Vitaminen und Mineralstoffen bei nicht vernarbendem Haarausfall zusammengefasst. Ihr Fazit: Mikronährstoffe spielen eine wichtige, aber nicht vollständig geklärte Rolle. Ein Mangel kann ein beeinflussbarer Risikofaktor sein.

  • Eisen: Eisenmangel ist der weltweit häufigste Nährstoffmangel und betrifft besonders Frauen im gebärfähigen Alter. Ein Zusammenhang mit Haarausfall wird seit Langem diskutiert, die Studienlage ist jedoch nicht einheitlich. Eine Eisenergänzung sollte nur nach Bestimmung der Blutwerte erfolgen, da zu viel Eisen schädlich sein kann.
  • Zink: Ein Zinkmangel kann zu Haarausfall führen. Laut EU-Verordnung trägt Zink zur Erhaltung normaler Haare bei.
  • Biotin: Ein echter Biotinmangel ist selten. Eine Übersicht von Patel und Kollegen aus dem Jahr 2017 fand, dass alle dokumentierten Fälle, in denen Biotin bei Haar- oder Nagelproblemen half, auf einem zugrunde liegenden Mangel oder einer Grunderkrankung beruhten. Für Menschen ohne Mangel fehlen Belege für einen Nutzen. Laut EU-Verordnung trägt Biotin zur Erhaltung normaler Haare bei.
  • Vitamin D: Niedrige Vitamin-D-Spiegel wurden in Studien mit verschiedenen Formen von Haarausfall in Verbindung gebracht. Ob eine Ergänzung hilft, ist nicht ausreichend belegt.

Wenn mehr schadet: Selen und Vitamin A

Bei zwei Nährstoffen ist der Zusammenhang mit Haarausfall besonders klar, allerdings in der umgekehrten Richtung: Eine zu hohe Zufuhr kann Haarausfall auslösen.

  • Selen: Selen trägt laut EU-Verordnung zur Erhaltung normaler Haare bei. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2023 die tolerierbare Obergrenze für Erwachsene neu bewertet und auf 255 Mikrogramm pro Tag festgelegt. Als kritischer Endpunkt für diese Obergrenze diente Haarausfall als frühes Zeichen einer Überdosierung. Wer mehrere selenhaltige Präparate kombiniert oder sehr viele Paranüsse isst, kann diese Menge überschreiten.
  • Vitamin A: Auch eine übermäßige Vitamin-A-Zufuhr, etwa durch hoch dosierte Präparate, kann Haarausfall verursachen.

Daraus folgt eine einfache Regel: Nahrungsergänzungsmittel sollten die Ernährung sinnvoll ergänzen, nicht in immer höheren Dosen kombiniert werden. Wer mehrere Präparate nimmt, sollte die Gesamtmengen prüfen. Mehr zu Biotin, Zink und Selen findest du im Artikel Biotin, Zink und Selen für Haare und Nägel.

Wichtig bei Bluttests: Biotin kann Laborwerte verfälschen

Biotin kann bestimmte Labortests stören, die auf einer Biotin-Streptavidin-Technik beruhen. Betroffen sein können zum Beispiel Schilddrüsenwerte oder Herzmarker. Wer biotinhaltige Präparate einnimmt, sollte dies vor einer Blutabnahme ärztlich mitteilen. Gerade bei der Abklärung von Haarausfall, bei der oft die Schilddrüse untersucht wird, ist das relevant.

Wann zum Arzt?

Eine ärztliche Abklärung, idealerweise bei einer Hautfachärztin oder einem Hautfacharzt, ist sinnvoll, wenn:

  • der Haarausfall länger als drei Monate anhält,
  • das Haar sichtbar dünner wird oder kahle Stellen entstehen,
  • die Kopfhaut juckt, brennt, sich rötet oder schuppt,
  • weitere Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsveränderung oder Zyklusstörungen hinzukommen.

Typische Untersuchungen sind ein Gespräch über mögliche Auslöser, die Untersuchung der Kopfhaut, gegebenenfalls ein Trichogramm sowie Blutwerte wie Ferritin, Schilddrüsenwerte und je nach Situation weitere Parameter.

Fazit

Haarausfall bei Frauen hat viele Ursachen. Das telogene Effluvium ist häufig und meist vorübergehend, wenn der Auslöser erkannt wird. Erblich bedingter Haarausfall verläuft schleichend und braucht eine ärztliche Behandlung. Nährstoffe spielen eine Rolle, vor allem bei einem Mangel. Ohne Mangel ist der Nutzen von Ergänzungen nicht belegt, und bei Selen und Vitamin A kann zu viel sogar schaden. Der beste erste Schritt bei anhaltendem Haarausfall ist deshalb eine fundierte ärztliche Abklärung.

Häufige Fragen

Wie viel Haarausfall ist normal?

Jeden Tag 50 bis 100 Haare zu verlieren gilt als normal. Erst wenn deutlich mehr ausfallen oder das Haar sichtbar dünner wird, spricht man von Haarausfall.

Was ist ein telogenes Effluvium?

Ein diffuser, meist vorübergehender Haarausfall, bei dem viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase wechseln. Das Haar fällt typischerweise zwei bis drei Monate nach dem Auslöser aus, etwa nach Stress, Infekten, Geburt, starken Diäten, Schilddrüsenstörungen oder Medikamenten. Meist erholt sich das Haar nach Beseitigung des Auslösers von selbst.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel bei Haarausfall?

Nur bei einem nachgewiesenen Mangel, etwa an Eisen oder Zink. Ohne Mangel ist ein Nutzen nicht belegt. Zu viel Selen (EFSA-Obergrenze 255 µg pro Tag) oder Vitamin A kann selbst Haarausfall auslösen. Bei Haarausfall über drei Monate ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Quellen

  1. Asghar F, Shamim N, Farooque U, Sheikh H, Aqeel R. Telogen effluvium: a review of the literature. Cureus. 2020;12(5):e8320. doi:10.7759/cureus.8320
  2. Zhang D, LaSenna C, Shields BE. Culprits of medication-induced telogen effluvium, part 1. Cutis. 2023;112(6):267-271. doi:10.12788/cutis.0910
  3. Zhang D, LaSenna C, Shields BE. Culprits of medication-induced telogen effluvium, part 2. Cutis. 2024;113(1):11-14. doi:10.12788/cutis.0919
  4. Almohanna HM, Ahmed AA, Tsatalis JP, Tosti A. The role of vitamins and minerals in hair loss: a review. Dermatol Ther (Heidelb). 2019;9(1):51-70. doi:10.1007/s13555-018-0278-6
  5. Patel DP, Swink SM, Castelo-Soccio L. A review of the use of biotin for hair loss. Skin Appendage Disord. 2017;3(3):166-169. doi:10.1159/000462981
  6. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA). Scientific opinion on the tolerable upper intake level for selenium. EFSA J. 2023;21(1):7704. doi:10.2903/j.efsa.2023.7704
  7. Ong MM, Avram M, McMichael A, Tosti A, Lipner SR. Antiandrogen therapy for the treatment of female pattern hair loss: a clinical review of current and emerging therapies. J Am Acad Dermatol. 2025;93(3):749-760. doi:10.1016/j.jaad.2025.04.074

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Die beschriebenen Studienergebnisse beziehen sich auf die jeweils untersuchten Präparate, Dosierungen und Personengruppen und lassen sich nicht auf ein bestimmtes Produkt übertragen. Für Kollagen, Hyaluronsäure, Astaxanthin und MSM gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.

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