Das Wichtigste in Kürze
- Niacinamid, auch Nicotinamid genannt, ist eine Form von Vitamin B3. In Kosmetik wird es meist in Konzentrationen zwischen 2 und 5 % eingesetzt.
- Laut einer Übersichtsarbeit stabilisiert äußerlich aufgetragenes Niacinamid die Hautbarriere: Der Wasserverlust über die Haut sinkt, und die Bildung von Ceramiden wird angeregt.
- In einer kontrollierten Studie mit 50 Frauen verbesserte eine Creme mit 5 % Niacinamid nach 12 Wochen feine Linien, Pigmentflecken, Hautstruktur, Rötungen und einen fahlen Teint im Vergleich zur gleichen Creme ohne Niacinamid.
- Niacinamid gilt als gut verträglich. Die meisten Studien wurden jedoch von Kosmetikherstellern durchgeführt.
- Die Ergebnisse gelten für die Anwendung auf der Haut und lassen sich nicht auf die Einnahme von Vitamin B3 übertragen.
Niacinamid ist in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten Wirkstoffe in der Hautpflege geworden. Es steckt in Seren, Cremes, Toner und Sonnenschutz. Anders als viele Trendwirkstoffe ist Niacinamid seit Jahrzehnten in der dermatologischen Forschung bekannt. Wir fassen zusammen, was die Studien zeigen.
Was Niacinamid ist
Vitamin B3 kommt in zwei Formen vor: als Nicotinsäure (Niacin) und als Nicotinsäureamid (Niacinamid oder Nicotinamid). Wie der Dermatologe Wolfgang Gehring 2004 im Journal of Cosmetic Dermatology beschreibt, können beide Formen im Körper ineinander umgewandelt werden. Niacinamid ist Bestandteil der Coenzyme NAD und NADP, die an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt sind, insbesondere am Energiestoffwechsel der Zellen.
Für die Hautpflege ist vor allem Niacinamid interessant. Anders als Nicotinsäure führt es auf der Haut in der Regel nicht zu dem typischen Flush, einer plötzlichen Rötung mit Wärmegefühl.
Wirkung auf die Hautbarriere
Gehring fasst in seiner Übersichtsarbeit mehrere Effekte zusammen, die für äußerlich angewendetes Niacinamid beschrieben wurden:
- Es stabilisiert die Barrierefunktion der Oberhaut. Messbar ist das an einem geringeren transepidermalen Wasserverlust und einem höheren Feuchtigkeitsgehalt der Hornschicht.
- Es regt die Bildung von Ceramiden an, den wichtigsten Lipiden in der Hornschicht.
- Es steigert die Bildung von Proteinen wie Keratin und beschleunigt die Differenzierung der Hautzellen.
- Es zeigte entzündungshemmende Effekte, etwa bei Akne und Rosazea.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Niacinamid aufgrund dieser Effekte ein geeigneter Bestandteil kosmetischer Produkte bei gestörter Hautbarriere und bei alternder Haut sei. Wie die Hautbarriere aufgebaut ist, erklären wir im Artikel Die Hautbarriere verstehen.
Studie: Niacinamid und Zeichen der Hautalterung
Donald Bissett und Kollegen haben 2004 im International Journal of Cosmetic Science eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie veröffentlicht. 50 Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren trugen 12 Wochen lang auf eine Gesichtshälfte eine Feuchtigkeitscreme mit 5 % Niacinamid und auf die andere Hälfte die gleiche Creme ohne Niacinamid auf. Welche Seite welche Creme bekam, wurde zufällig festgelegt.
Im Vergleich zur Kontrollseite zeigte die Niacinamid-Seite signifikante Verbesserungen bei:
- feinen Linien und Fältchen
- Pigmentflecken
- Hautstruktur
- fleckigen Rötungen
- Gelbstich der Haut (fahler Teint)
Niacinamid wurde gut vertragen. Das Split-Face-Design ist eine Stärke der Studie: Jede Teilnehmerin ist ihre eigene Kontrolle, was Unterschiede zwischen Personen ausgleicht.
Studie: Pigmentflecken
In zwei weiteren Split-Face-Studien, die Bissett und Kollegen 2009 im Journal of Cosmetic Dermatology veröffentlichten, wurde Niacinamid zur Behandlung von Pigmentflecken untersucht, einmal bei japanischen und einmal bei europäisch-stämmigen Frauen. Die Formulierungen wurden 8 Wochen lang angewendet. Eine Kombination aus 5 % Niacinamid und 1 % Undecylenoyl Phenylalanine, einem weiteren kosmetischen Wirkstoff, verringerte das Erscheinungsbild von Pigmentflecken stärker als die Grundcreme und stärker als Niacinamid allein. Als mutmaßlicher Mechanismus von Niacinamid gilt, dass es in Zellkulturen den Transfer von Pigment aus den pigmentbildenden Zellen in die umliegenden Hautzellen hemmt.
Einordnung: Was die Studien zeigen und was nicht
Die Datenlage zu Niacinamid ist für einen kosmetischen Wirkstoff vergleichsweise gut. Dennoch gibt es Einschränkungen:
- Die beiden Bissett-Studien stammen von Forschenden eines großen Kosmetikherstellers. Das macht sie nicht falsch, eine unabhängige Bestätigung ist aber wünschenswert.
- Die Effekte sind messbar, aber in der Regel moderat. Niacinamid ist kein Ersatz für Sonnenschutz und wirkt sanfter als Retinoide.
- Die Studien liefen 8 bis 12 Wochen. Wer Niacinamid ausprobiert, sollte also Geduld mitbringen.
So wendest du Niacinamid an
- Konzentration: In Studien wurden häufig 5 % eingesetzt. Höhere Konzentrationen sind nicht automatisch wirksamer und können bei empfindlicher Haut eher reizen.
- Morgens oder abends: Niacinamid ist licht- und hitzestabil und kann zu jeder Tageszeit verwendet werden.
- Kombinationen: Niacinamid lässt sich gut mit Feuchtigkeitspflege, Sonnenschutz und Retinol kombinieren. Die häufig zu lesende Warnung vor der Kombination mit Vitamin C beruht vor allem auf älteren Laborbeobachtungen unter Bedingungen, die in moderner Hautpflege kaum vorkommen.
- Verträglichkeit: Selten kommt es zu Brennen oder Rötungen. Dann die Konzentration verringern oder seltener anwenden.
Mehr zum Zusammenspiel mit Retinoiden findest du im Artikel Retinol in der Hautpflege.
Vitamin B3 von innen
Vitamin B3 ist auch ein essenzieller Nährstoff, der zum Beispiel in Fleisch, Fisch, Vollkorn und Hülsenfrüchten vorkommt. Laut EU-Verordnung 432/2012 trägt Niacin zur Erhaltung normaler Haut bei. Diese zugelassene Aussage beschreibt die Rolle des Nährstoffs im Körper. Die oben beschriebenen Studien haben jedoch Cremes untersucht, die direkt auf die Haut aufgetragen wurden. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht auf die Einnahme von Vitamin B3 übertragen.
Fazit
Niacinamid ist ein vielseitiger, gut verträglicher Wirkstoff mit einer für Kosmetik vergleichsweise soliden Datenlage. Studien zeigen Effekte auf die Hautbarriere, feine Linien, Pigmentflecken und einen fahlen Teint. Die Effekte sind moderat, und die meisten Studien stammen aus der Industrie. Als Ergänzung zu Sonnenschutz und einer einfachen Pflegeroutine ist Niacinamid für viele Hauttypen eine sinnvolle Option.
Häufige Fragen
Was bewirkt Niacinamid in der Hautpflege?
Nach der Übersicht von Gehring (2004) stabilisiert äußerlich aufgetragenes Niacinamid die Hautbarriere, senkt den Wasserverlust über die Haut und regt die Bildung von Ceramiden an. In einer Studie mit 50 Frauen (Bissett 2004) verbesserte 5 % Niacinamid nach 12 Wochen feine Linien, Pigmentflecken, Hautstruktur und Rötungen.
Welche Konzentration Niacinamid ist sinnvoll?
In Studien wurden häufig 5 % eingesetzt, in Kosmetik meist 2 bis 5 %. Höhere Konzentrationen sind nicht automatisch wirksamer und können empfindliche Haut eher reizen.
Kann man Niacinamid mit Vitamin C oder Retinol kombinieren?
Ja. Niacinamid ist licht- und hitzestabil, kann morgens oder abends verwendet werden und lässt sich mit Feuchtigkeitspflege, Sonnenschutz und Retinol kombinieren. Die Warnung vor Vitamin C beruht auf älteren Laborbeobachtungen unter Bedingungen, die in moderner Hautpflege kaum vorkommen.
Quellen
- Gehring W. Nicotinic acid/niacinamide and the skin. J Cosmet Dermatol. 2004;3(2):88-93. doi:10.1111/j.1473-2130.2004.00115.x
- Bissett DL, Miyamoto K, Sun P, Li J, Berge CA. Topical niacinamide reduces yellowing, wrinkling, red blotchiness, and hyperpigmented spots in aging facial skin. Int J Cosmet Sci. 2004;26(5):231-238. doi:10.1111/j.1467-2494.2004.00228.x
- Bissett DL, Robinson LR, Raleigh PS, Miyamoto K, Hakozaki T, Li J, Kelm GR. Reduction in the appearance of facial hyperpigmentation by topical N-undecyl-10-enoyl-L-phenylalanine and its combination with niacinamide. J Cosmet Dermatol. 2009;8(4):260-266. doi:10.1111/j.1473-2165.2009.00470.x
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. EUR-Lex


