Das Wichtigste in Kürze
- Die eigentliche Barriere sitzt in der obersten Hautschicht, der Hornschicht (Stratum corneum). Sie wird oft mit einer Mauer aus Ziegeln und Mörtel verglichen.
- Die Ziegel sind abgestorbene Hornzellen, der Mörtel besteht aus Lipiden: Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren.
- Ein wichtiger Messwert für die Barrierefunktion ist der transepidermale Wasserverlust (TEWL).
- Zu häufiges Waschen, aggressive Tenside, trockene Luft, UV-Strahlung und auch schlechter Schlaf können die Barriere belasten.
- Sanfte Reinigung, feuchtigkeitsbindende Pflege und Sonnenschutz sind die Grundpfeiler einer barrierefreundlichen Routine.
Spannungsgefühle, Rauigkeit, Rötungen, Brennen nach dem Auftragen einer Creme: Häufig steckt dahinter eine gestörte Hautbarriere. Der Begriff ist in der Kosmetikwerbung allgegenwärtig, wird aber selten erklärt. Dabei ist die Barrierefunktion eines der am besten erforschten Gebiete der Dermatologie. Dieser Artikel fasst zusammen, was man darüber weiß.
Wo die Hautbarriere sitzt
Die Haut besteht aus drei Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subcutis). Die Barriere gegen die Umwelt liegt ganz außen, in der Hornschicht der Oberhaut. Sie ist nur etwa 10 bis 20 Mikrometer dünn, dünner als ein Blatt Papier, und trotzdem verhindert sie, dass der Körper unkontrolliert Wasser verliert und dass Keime oder Reizstoffe eindringen.
Die Dermatologen Ehrhardt Proksch, Johanna Brandner und Jens-Michael Jensen haben den Aufbau 2008 in einem viel zitierten Übersichtsartikel beschrieben. Die physikalische Barriere besteht demnach aus zwei Komponenten:
- Hornzellen (Korneozyten): abgeflachte, kernlose Zellen, die mit Keratin gefüllt und von einer stabilen Hülle aus Proteinen und Lipiden umgeben sind. Sie sind über Eiweißbrücken, die Korneodesmosomen, miteinander verbunden.
- Interzelluläre Lipide: Zwischen den Hornzellen liegen geordnete Lipidschichten aus Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren. Sie wirken wie der Mörtel zwischen den Ziegeln.
Dazu trägt auch die darunter liegende, lebende Oberhaut bei, etwa über sogenannte Tight Junctions, die die Zellen dicht miteinander verbinden. Ein weiteres wichtiges Protein ist Filaggrin. Es hilft beim Aufbau der Hornzellen und wird zu Bestandteilen des natürlichen Feuchthaltefaktors (NMF) abgebaut, der Wasser in der Hornschicht bindet.
Wie man die Barrierefunktion misst
In Studien wird die Barrierefunktion meist über den transepidermalen Wasserverlust bestimmt, kurz TEWL. Ein Messgerät erfasst, wie viel Wasser pro Fläche und Zeit durch die Haut verdunstet. Ein höherer Wert bedeutet eine durchlässigere Barriere. Ein zweiter Ansatz ist die Erholung nach einer kontrollierten Störung: Dabei wird die Hornschicht etwa mit Klebestreifen leicht abgetragen, und man misst, wie schnell sich der TEWL wieder normalisiert.
Was die Hautbarriere schwächt
Laut Proksch und Kollegen ist die Barrierefunktion bei vielen Hauterkrankungen gestört, etwa bei Neurodermitis (atopischer Dermatitis), Schuppenflechte und Kontaktekzemen. Bei Neurodermitis spielen unter anderem Veränderungen im Filaggrin-Gen eine Rolle. Aber auch gesunde Haut reagiert auf äußere Belastungen:
- Tenside und häufiges Waschen: Reinigungsmittel lösen nicht nur Schmutz, sondern auch hauteigene Lipide. Sehr heißes Wasser verstärkt den Effekt.
- Trockene Luft und Kälte: Im Winter sinkt die Luftfeuchtigkeit, besonders in beheizten Räumen. Die Hornschicht verliert dann leichter Wasser.
- UV-Strahlung: Neben der Hautalterung kann UV-Strahlung auch die Barriere beeinträchtigen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Sonnenschutz und Hautalterung.
- Überpflege und Reizstoffe: Zu viele aktive Wirkstoffe gleichzeitig, häufige Peelings oder stark parfümierte Produkte können empfindliche Haut zusätzlich reizen.
- Schlaf: Eine kleine Studie fand bei Frauen mit schlechter Schlafqualität eine langsamere Erholung der Barriere. Mehr dazu weiter unten.
Schlaf und Barriere: ein überraschender Befund
Eine Forschungsgruppe um Pa Oyetakin-White hat 2015 in Clinical and Experimental Dermatology 60 Frauen untersucht, die nach einem standardisierten Fragebogen entweder gut oder schlecht schliefen. Bei den guten Schläferinnen erholte sich die Barriere nach einer kontrollierten Störung schneller: Nach 72 Stunden war die Erholung um 30 % höher als bei den schlechten Schläferinnen. Die Studie ist klein und beobachtend. Sie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis, dass mehr Schlaf die Barriere direkt verbessert. Ausführlich besprechen wir sie im Artikel Schlaf und Haut.
Was der Barriere hilft
Aus der Fachliteratur lassen sich einige Grundprinzipien ableiten. Sie sind unspektakulär, aber gut begründet:
- Sanft reinigen: Lauwarmes statt heißes Wasser, milde, pH-hautneutrale Reinigungsprodukte und nicht häufiger als nötig. Für viele Menschen reicht morgens Wasser und abends eine milde Reinigung.
- Feuchtigkeit binden und einschließen: Pflegeprodukte kombinieren meist Feuchthaltemittel (zum Beispiel Glycerin oder Hyaluronsäure), die Wasser binden, mit Lipiden oder okklusiven Stoffen, die die Verdunstung verringern. Produkte mit Ceramiden, Cholesterin und Fettsäuren orientieren sich an der natürlichen Zusammensetzung der Hornschicht.
- Niacinamid: Der Wirkstoff ist für eine stabilisierende Wirkung auf die Barriere in der Kosmetik gut untersucht. Wir erklären das im Artikel zu Niacinamid.
- Weniger ist oft mehr: Bei gereizter Haut hilft es häufig, aktive Wirkstoffe wie Retinol, Säuren und Peelings vorübergehend zu pausieren und die Routine zu vereinfachen.
- Sonnenschutz: Er schützt nicht nur vor Hautalterung, sondern auch vor UV-bedingter Belastung der Haut.
Und die Ernährung?
Die Haut wird auch von innen versorgt. Für einige Nährstoffe gibt es von der EU zugelassene gesundheitsbezogene Angaben. So tragen zum Beispiel Vitamin A, Biotin, Niacin, Riboflavin und Zink zur Erhaltung normaler Haut bei. Eine direkte Verbesserung der Hautbarriere durch Nahrungsergänzungsmittel ist damit aber nicht belegt und darf auch nicht so beworben werden. Mehr zur Rolle der Ernährung findest du in unserem Artikel Ernährung und Haut.
Wann zum Hautarzt?
Anhaltende Trockenheit mit Juckreiz, nässende oder schuppende Stellen, Rötungen, die nicht abklingen, oder Ekzeme sollten ärztlich abgeklärt werden. Hinter solchen Symptomen kann eine behandlungsbedürftige Hauterkrankung stehen, die sich mit Kosmetik allein nicht in den Griff bekommen lässt.
Fazit
Die Hautbarriere ist ein fein abgestimmtes System aus Hornzellen und Lipiden, das in einer hauchdünnen Schicht den gesamten Körper schützt. Sie lässt sich durch äußere Einflüsse stören, aber auch durch eine einfache, konsequente Routine unterstützen: sanft reinigen, Feuchtigkeit binden, Lipide ergänzen, vor UV schützen. Wer anhaltende Beschwerden hat, sollte eine Hauterkrankung ärztlich ausschließen lassen.
Häufige Fragen
Was ist die Hautbarriere?
Die Barriere sitzt in der Hornschicht der Oberhaut, nur 10 bis 20 Mikrometer dünn. Sie besteht aus abgestorbenen Hornzellen (Ziegel) und Lipiden aus Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren (Mörtel). Sie verhindert Wasserverlust und das Eindringen von Keimen und Reizstoffen.
Woran erkennt man eine gestörte Hautbarriere?
Typisch sind Spannungsgefühle, Rauigkeit, Rötungen und Brennen nach dem Auftragen einer Creme. In Studien wird die Barrierefunktion über den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) gemessen: Ein höherer Wert bedeutet eine durchlässigere Barriere.
Was hilft der Hautbarriere?
Sanft reinigen mit lauwarmem Wasser und milden Produkten, Feuchtigkeit binden und mit Lipiden einschließen, Produkte mit Ceramiden, Cholesterin und Fettsäuren, bei gereizter Haut aktive Wirkstoffe pausieren und täglich Sonnenschutz verwenden.
Quellen
- Proksch E, Brandner JM, Jensen JM. The skin: an indispensable barrier. Exp Dermatol. 2008;17(12):1063-1072. doi:10.1111/j.1600-0625.2008.00786.x
- Oyetakin-White P, Suggs A, Koo B, Matsui MS, Yarosh D, Cooper KD, Baron ED. Does poor sleep quality affect skin ageing? Clin Exp Dermatol. 2015;40(1):17-22. doi:10.1111/ced.12455
- Gehring W. Nicotinic acid/niacinamide and the skin. J Cosmet Dermatol. 2004;3(2):88-93. doi:10.1111/j.1473-2130.2004.00115.x
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. EUR-Lex


