Das Wichtigste in Kürze
- UV-Strahlung ist der am besten belegte äußere Treiber sichtbarer Hautalterung. Fachleute sprechen von Photoaging.
- In einer randomisierten Studie mit 903 Erwachsenen war die Hautalterung in der Gruppe mit täglichem Sonnenschutz nach 4,5 Jahren um 24 % geringer als in der Gruppe mit Sonnenschutz nach eigenem Ermessen.
- Eine Zwillingsstudie mit 186 eineiigen Paaren bestätigt: Mehr Sonnenexposition ging mit einem älteren Aussehen einher.
- Entscheidend ist die regelmäßige, ausreichend dosierte Anwendung, nicht der Griff zur Tube an einzelnen Sommertagen.
Falten, Pigmentflecken, eine ledrige Struktur: Viele Zeichen, die wir dem Alter zuschreiben, entstehen zu einem großen Teil durch Sonnenlicht. Dermatologen unterscheiden deshalb zwischen intrinsischer Hautalterung, die genetisch und zeitlich bedingt ist, und extrinsischer Hautalterung, die durch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung und Rauchen entsteht. Die gute Nachricht: Den extrinsischen Anteil kann man beeinflussen. Wie stark, hat eine der wenigen randomisierten Langzeitstudien zu diesem Thema untersucht.
Was UV-Strahlung in der Haut auslöst
Sonnenlicht enthält UVB- und UVA-Strahlung. UVB wirkt vor allem in der Oberhaut und verursacht Sonnenbrand. UVA dringt tiefer in die Lederhaut ein, wo die Kollagen- und Elastinfasern liegen. Dort fördert UV-Strahlung die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und aktiviert Enzyme, sogenannte Matrix-Metalloproteinasen, die Kollagen abbauen. Gleichzeitig wird weniger neues Kollagen gebildet. Über Jahre summiert sich dieser Effekt: Die Haut verliert Spannkraft, Falten vertiefen sich, und es entstehen unregelmäßige Pigmentierungen.
Weil UVA-Strahlung auch durch Wolken und Fensterglas dringt und das ganze Jahr über vorhanden ist, betrifft Photoaging nicht nur Menschen, die viel in der Sonne liegen. Die Belastung entsteht zu einem großen Teil im Alltag, auf dem Weg zur Arbeit, beim Spaziergang oder am Fenster.
Die Nambour-Studie: täglicher Sonnenschutz im Langzeittest
Die australische Forschungsgruppe um Maria Celia Hughes hat 2013 im Fachjournal Annals of Internal Medicine eine randomisierte, kontrollierte Studie veröffentlicht. Teilgenommen haben 903 Erwachsene unter 55 Jahren aus der Gemeinde Nambour in Queensland, einer Region mit sehr hoher UV-Belastung.
Die Teilnehmenden wurden zufällig vier Gruppen zugeteilt. Zwei Gruppen sollten täglich einen Breitband-Sonnenschutz auf Kopf, Hals, Arme und Hände auftragen, die beiden anderen nutzten Sonnenschutz nach eigenem Ermessen. Zusätzlich erhielt jeweils die Hälfte 30 mg Beta-Carotin pro Tag oder ein Placebo, um auch diesen Ansatz zu prüfen.
Gemessen wurde die Hautalterung über Silikonabdrücke des Handrückens, deren Mikrotopografie von Gutachtern bewertet wurde, die nicht wussten, zu welcher Gruppe die Teilnehmenden gehörten. Nach 4,5 Jahren zeigte sich:
- In der Gruppe mit täglichem Sonnenschutz war die Hautalterung um 24 % geringer als in der Vergleichsgruppe (relative Odds 0,76; 95-%-Konfidenzintervall 0,59 bis 0,98).
- Die Gruppe mit täglichem Sonnenschutz zeigte über den Studienzeitraum keine nachweisbare Zunahme der Hautalterung.
- Beta-Carotin hatte insgesamt keinen Effekt auf die Hautalterung.
Das Ergebnis ist bemerkenswert, weil die Teilnehmenden Erwachsene im mittleren Alter waren. Die Autoren schließen, dass regelmäßiger Sonnenschutz die Hautalterung bei gesunden Frauen und Männern mittleren Alters verlangsamt. Sonnenschutz wirkt also nicht nur präventiv in jungen Jahren.
Was die Studie nicht zeigt
Wie jede Studie hat auch diese Grenzen. Gemessen wurde am Handrücken, nicht im Gesicht. Einige Daten fehlten, und die statistische Aussagekraft für moderate Effekte war begrenzt, wie die Autoren selbst schreiben. Die Teilnehmenden lebten in einer subtropischen Region mit deutlich höherer UV-Belastung als in Mitteleuropa. Der Effekt in Deutschland dürfte daher kleiner ausfallen. Außerdem nutzte auch die Vergleichsgruppe teilweise Sonnenschutz, was den Unterschied eher unterschätzt als überschätzt.
Zwillinge als natürliches Experiment
Einen anderen Blickwinkel liefert eine Studie von Bahman Guyuron und Kollegen aus dem Jahr 2009. Untersucht wurden 186 Paare eineiiger Zwillinge. Da eineiige Zwillinge genetisch nahezu identisch sind, lassen sich Unterschiede im Aussehen gut auf Lebensstilfaktoren zurückführen. Ein Gremium schätzte das Alter der Zwillinge anhand von Fotos.
Mehr Sonnenexposition ging mit einem älteren Aussehen einher, ebenso viele Aktivitäten im Freien und fehlender Sonnenschutz. Ähnliches galt für längeres Rauchen. Die Studie ist eine Beobachtungsstudie und kann keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen. Sie passt aber gut zu den Ergebnissen der randomisierten Nambour-Studie. Ausführlich stellen wir sie im Artikel Lebensstil und Hautalterung vor.
Wie Sonnenschutz im Alltag funktioniert
Aus der Studienlage und den Empfehlungen dermatologischer Fachgesellschaften lassen sich einige praktische Punkte ableiten:
- Breitbandschutz wählen: Das Produkt sollte vor UVB und UVA schützen. In der EU zeigt das UVA-Logo im Kreis an, dass der UVA-Schutz mindestens einem Drittel des angegebenen Lichtschutzfaktors entspricht.
- Ausreichend auftragen: Der Lichtschutzfaktor wird im Labor mit 2 mg pro Quadratzentimeter ermittelt. Im Alltag tragen die meisten Menschen deutlich weniger auf und erreichen so nur einen Teil des angegebenen Schutzes.
- Täglich statt gelegentlich: Die Nambour-Studie hat die tägliche Anwendung untersucht. Gerade für die Hautalterung zählt die Summe der UV-Belastung über Jahre.
- Nachcremen: Nach Schwitzen, Baden oder Abtrocknen lässt die Schutzwirkung nach.
- Kleidung, Hut, Schatten: Textiler Sonnenschutz und das Meiden der Mittagssonne ergänzen die Creme sinnvoll.
Und was ist mit Sonnenschutz von innen?
Immer wieder werden Nahrungsergänzungsmittel als Sonnenschutz von innen beworben. Hier ist Vorsicht geboten. Die Nambour-Studie hat mit Beta-Carotin einen dieser Ansätze direkt geprüft und insgesamt keinen Effekt auf die Hautalterung gefunden. Kein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt einen äußerlich aufgetragenen Sonnenschutz, und Aussagen über einen Schutz vor Sonnenbrand oder UV-Schäden sind für Nahrungsergänzungsmittel in der EU nicht zugelassen. Wer sich für Antioxidantien wie Astaxanthin interessiert, findet in unserem Artikel zu Astaxanthin und Haut eine nüchterne Einordnung der Studienlage.
Fazit
Täglicher Sonnenschutz ist eine der am besten untersuchten Maßnahmen gegen sichtbare Hautalterung. Die randomisierte Nambour-Studie zeigt einen messbaren Effekt über 4,5 Jahre, auch bei Erwachsenen mittleren Alters. Zwillingsdaten stützen den Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und älterem Aussehen. Wer seine Haut langfristig pflegen möchte, beginnt am besten mit einem Breitband-Sonnenschutz in ausreichender Menge, jeden Morgen.
Häufige Fragen
Hilft täglicher Sonnenschutz wirklich gegen Hautalterung?
Ja, dafür gibt es eine randomisierte Langzeitstudie. In der Nambour-Studie (Hughes 2013) mit 903 Erwachsenen war die Hautalterung nach 4,5 Jahren in der Gruppe mit täglichem Breitband-Sonnenschutz um 24 % geringer als in der Vergleichsgruppe.
Lohnt sich Sonnenschutz auch noch im mittleren Alter?
Die Teilnehmenden der Nambour-Studie waren Erwachsene unter 55 Jahren. Die Gruppe mit täglichem Sonnenschutz zeigte über den Studienzeitraum keine nachweisbare Zunahme der Hautalterung. Sonnenschutz wirkt also nicht nur präventiv in jungen Jahren.
Gibt es Sonnenschutz von innen durch Nahrungsergänzungsmittel?
Nein. Die Nambour-Studie prüfte Beta-Carotin direkt und fand keinen Effekt auf die Hautalterung. Aussagen über Schutz vor Sonnenbrand oder UV-Schäden sind für Nahrungsergänzungsmittel in der EU nicht zugelassen. Kein Präparat ersetzt äußerlich aufgetragenen Sonnenschutz.
Quellen
- Hughes MC, Williams GM, Baker P, Green AC. Sunscreen and prevention of skin aging: a randomized trial. Ann Intern Med. 2013;158(11):781-790. doi:10.7326/0003-4819-158-11-201306040-00002
- Guyuron B, Rowe DJ, Weinfeld AB, Eshraghi Y, Fathi A, Iamphongsai S. Factors contributing to the facial aging of identical twins. Plast Reconstr Surg. 2009;123(4):1321-1331. doi:10.1097/PRS.0b013e31819c4d42


