Das Wichtigste in Kürze
- Astaxanthin ist ein rot-oranges Carotinoid. Für Nahrungsergänzungsmittel wird es meist aus der Mikroalge Haematococcus pluvialis gewonnen.
- Eine Meta-Analyse von Zhou et al. (2021) fand bei oraler Einnahme Verbesserungen bei Hautfeuchtigkeit und Elastizität gegenüber Placebo, aber keine signifikante Verringerung der Faltentiefe.
- Die Studien sind klein, das Verzerrungsrisiko ist oft unklar, und viele Teilnehmende waren Frauen mittleren Alters in Japan.
- Die EFSA hält bis zu 8 mg Astaxanthin pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln für Erwachsene für sicher.
- Für Astaxanthin gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe.
Wenn du schon einmal überlegt hast, warum Lachs rosa ist, kennst du Astaxanthin bereits, zumindest seine Farbe. Der Stoff gehört zu den Carotinoiden, einer großen Gruppe natürlicher Farbstoffe, zu der auch Beta-Carotin und Lutein zählen. In den letzten Jahren taucht Astaxanthin zunehmend in Beauty-Supplements auf. Was steckt dahinter?
Was Astaxanthin ist
Astaxanthin ist ein Xanthophyll, ein sauerstoffhaltiges Carotinoid. Produziert wird es in der Natur vor allem von Mikroalgen. Die bekannteste ist Haematococcus pluvialis, eine Süßwasseralge, die unter Stress wie starkem Licht oder Nährstoffmangel große Mengen Astaxanthin bildet und sich dabei rot färbt. Über die Nahrungskette gelangt der Farbstoff in Krill, Garnelen und Lachs, deren Färbung er bestimmt.
In Labor- und Tierversuchen zeigt Astaxanthin antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften [1]. Antioxidantien können reaktive Sauerstoffverbindungen abfangen, die zum Beispiel durch UV-Strahlung entstehen und an der Hautalterung beteiligt sind. Aus solchen Labordaten lässt sich aber nicht automatisch ableiten, dass Astaxanthin beim Menschen einen sichtbaren Effekt hat. Dafür braucht es Humanstudien.
Die Meta-Analyse von Zhou et al. (2021)
Ein Forschungsteam um Xiangyu Zhou von der Universität Leeds hat die verfügbaren Humanstudien zu Astaxanthin und Hautalterung systematisch zusammengetragen und 2021 im Fachjournal Nutrients veröffentlicht [1]. Gefunden wurden elf Studien: neun randomisierte, kontrollierte Studien zur oralen Einnahme und zwei offene Studien ohne Kontrollgruppe zur Anwendung auf der Haut beziehungsweise zur Kombination.
Die Ergebnisse der Meta-Analyse für die orale Einnahme gegenüber Placebo:
- Hautfeuchtigkeit: statistisch signifikante Verbesserung (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,53; 95-%-Konfidenzintervall 0,05 bis 1,01).
- Elastizität: statistisch signifikante Verbesserung (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,77; 95-%-Konfidenzintervall 0,19 bis 1,35).
- Faltentiefe: keine signifikante Verringerung (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,26; 95-%-Konfidenzintervall −0,58 bis 0,06).
Die offenen Studien ohne Kontrollgruppe deuteten auf leicht schützende Effekte hin, haben aber methodisch nur eine geringe Aussagekraft.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Die Autoren benennen selbst mehrere Einschränkungen, die du kennen solltest:
- Weniger als zehn Studien mit jeweils kleinen Teilnehmerzahlen flossen in die Meta-Analyse ein.
- Bei vielen Studien war das Verzerrungsrisiko in mehreren Bereichen unklar, offene Studien wurden als hoch verzerrungsgefährdet eingestuft.
- Die Ergebnisse unterschieden sich zwischen den Studien teils deutlich. Bei der Elastizität lag die Heterogenität bei 75 %. Mögliche Gründe sind unterschiedliche Dosen, Präparate, Messstellen und Umweltbedingungen.
- Ein Teil der Daten wurde mit einer Software aus veröffentlichten Grafiken abgelesen, was die Genauigkeit einschränkt.
- Einige Studien hatten kommerzielle Finanzierung oder mögliche Interessenkonflikte.
- Die Teilnehmenden waren überwiegend gesunde Frauen mittleren Alters in Japan, was die Übertragbarkeit auf andere Gruppen einschränkt.
Bemerkenswert ist auch: In der Zusammenfassung schreiben die Autoren, Astaxanthin reduziere Falten, obwohl ihr eigenes Ergebnis für die Faltentiefe nicht signifikant war. Solche Unschärfen findest du in der Forschung häufiger. Ein Blick in die eigentlichen Zahlen lohnt sich deshalb immer.
Ist Astaxanthin sicher?
Astaxanthin aus Haematococcus pluvialis ist in der EU als neuartiges Lebensmittel für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Die EFSA hat 2020 die Sicherheit bewertet und kam zu dem Schluss, dass eine Aufnahme von bis zu 8 mg Astaxanthin pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln, zusammen mit der üblichen Aufnahme aus Fisch und Meeresfrüchten, für Erwachsene sicher ist [2]. Für Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren wird die akzeptable tägliche Aufnahmemenge bei dieser Menge erreicht, für jüngere Kinder überschritten. Astaxanthin-Supplemente sind deshalb nichts für Kinder.
Was die Rechtslage sagt
Für Astaxanthin gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Hersteller dürfen also nicht behaupten, Astaxanthin schütze die Haut vor UV-Schäden, mache sie elastischer oder wirke gegen Falten. Seriöse Anbieter nennen Astaxanthin als Zutat mit Mengenangabe.
Astaxanthin in der Ernährung
Über die normale Ernährung nimmst du Astaxanthin vor allem mit Wildlachs, Forelle, Garnelen, Krebsen und Krill auf. Die Mengen schwanken stark je nach Herkunft und Fütterung. Auch in Zuchtlachs findet sich Astaxanthin, weil es dem Futter zugesetzt wird, um die typische Farbe zu erreichen.
Und in SKIN° N°1?
Unser Shot enthält 2 mg Astaxanthin je 25-ml-Portion, also ein Viertel der von der EFSA als sicher bewerteten Höchstmenge aus Nahrungsergänzungsmitteln. Wir nennen Astaxanthin als Zutat, versprechen aber keine Wirkung, weil es dafür keine zugelassene Angabe gibt.
Fazit
Astaxanthin ist ein interessantes Carotinoid mit antioxidativen Eigenschaften im Labor. Eine Meta-Analyse findet beim Menschen positive Signale für Hautfeuchtigkeit und Elastizität, aber keinen signifikanten Effekt auf Falten. Die Datenbasis ist klein und hat deutliche Schwächen. Die EFSA bewertet bis zu 8 mg pro Tag aus Supplementen als sicher für Erwachsene. Unser Rat: interessiert bleiben, realistisch erwarten und auf Sonnenschutz nicht verzichten.
Weiterlesen: Sonnenschutz und Hautalterung: Was eine 4,5-Jahres-Studie zeigt und Kollagen trinken: Was Studien zeigen und was nicht.
Häufige Fragen
Was zeigen Studien zu Astaxanthin und Haut?
Die Meta-Analyse von Zhou et al. (2021) fand bei oraler Einnahme signifikante Verbesserungen bei Hautfeuchtigkeit und Elastizität gegenüber Placebo, aber keine signifikante Verringerung der Faltentiefe. Die Studien sind klein und methodisch eingeschränkt.
Wie viel Astaxanthin pro Tag gilt als sicher?
Die EFSA bewertet 2020 eine Aufnahme von bis zu 8 mg Astaxanthin pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln für Erwachsene als sicher. Für Kinder sind Astaxanthin-Supplemente nicht geeignet.
Woher stammt Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln?
Meist aus der Süßwasser-Mikroalge Haematococcus pluvialis, die unter Stress große Mengen des rot-orangen Carotinoids bildet. Über die Nahrungskette gelangt es in Lachs, Garnelen und Krill.
Quellen
- Zhou X, Cao Q, Orfila C, Zhao J, Zhang L. Systematic Review and Meta-Analysis on the Effects of Astaxanthin on Human Skin Ageing. Nutrients. 2021;13(9):2917. doi:10.3390/nu13092917
- EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA), Turck D, Castenmiller J, et al. Safety of astaxanthin for its use as a novel food in food supplements. EFSA J. 2020;18(2):e05993. doi:10.2903/j.efsa.2020.5993


