Das Wichtigste in Kürze
- Die Kollagenfamilie umfasst 28 Mitglieder. Alle haben mindestens einen Abschnitt mit der typischen Tripelhelix.
- In der Haut macht Typ I etwa 80 bis 90 % des Kollagens aus, Typ III etwa 8 bis 12 %, Typ V rund 5 %.
- Typ I bildet dicke, zugfeste Fasern, Typ III feinere, netzartige Fasern. Beide arbeiten in der Lederhaut zusammen.
- Mit zunehmendem Alter bildet die Haut weniger Kollagen Typ I und III. UV-Strahlung beschleunigt den Abbau.
- Bei Nahrungsergänzungsmitteln beschreibt „Typ 1 und 3“ den Rohstoff. Im fertigen Produkt liegen hydrolysierte Peptide vor.
„Kollagen Typ 1 und 3“, „Typ 2 für die Gelenke“, „Multi-Kollagen mit fünf Typen“: Auf Verpackungen werden Kollagentypen oft wie Qualitätsmerkmale behandelt. Um diese Angaben einordnen zu können, lohnt ein Blick in die Biologie. Was unterscheidet die Typen, wo kommen sie vor und was passiert mit ihnen, wenn wir älter werden?
Was Kollagen ist
Kollagen ist das häufigste Protein bei Tieren und Menschen [1]. Es bildet das stabile Gerüst vieler Gewebe: Haut, Knochen, Sehnen, Bänder, Knorpel und Blutgefäße. Das Besondere ist seine Struktur. Drei lange Proteinketten, die sogenannten Alpha-Ketten, winden sich umeinander und bilden eine Tripelhelix [2]. In diesen Ketten wiederholt sich ein typisches Muster aus drei Aminosäuren, bei dem jede dritte Position mit der kleinsten Aminosäure Glycin besetzt ist. Daneben kommen besonders häufig Prolin und Hydroxyprolin vor. Diese regelmäßige Abfolge ermöglicht die enge Packung der drei Ketten und macht Kollagen so zugfest.
Hydroxyprolin entsteht erst nach dem Einbau in die Kette: Ein Enzym hängt an bestimmte Prolin-Bausteine eine Hydroxylgruppe an. Dafür benötigt es Vitamin C als Cofaktor [3]. Dieser Zusammenhang ist der Grund, warum für Vitamin C die zugelassene Angabe „trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei“ existiert. Mehr dazu im Artikel Vitamin C und Kollagen.
28 Typen, eine Familie
Die Wissenschaft zählt heute 28 Kollagentypen, die mit römischen Ziffern nummeriert werden [1]. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer Ketten, in ihrer Gestalt und in ihrem Vorkommen. Grob lassen sie sich in Gruppen einteilen:
- Fibrilläre Kollagene wie Typ I, II, III und V bilden lange Fasern und sorgen für Zugfestigkeit.
- Netzwerkbildende Kollagene wie Typ IV bauen Basalmembranen auf, dünne Trennschichten zwischen Geweben.
- Fibrillen-assoziierte Kollagene verbinden Fasern untereinander und mit anderen Bestandteilen des Bindegewebes.
- Membrangebundene Kollagene sitzen in der Zelloberfläche und können als lösliche Form abgegeben werden.
Manche Kollagene kommen nur in bestimmten Geweben vor und haben dort spezielle Aufgaben. Sie steuern zum Beispiel auch, wie Zellen wachsen, wandern und sich spezialisieren [1].
Typ I: das Gerüst
Typ I ist der mit Abstand häufigste Kollagentyp. Er kommt in Haut, Knochen, Sehnen, Bändern und Zähnen vor und gilt als Prototyp der Kollagenfibrille [2]. In der Haut bildet er dicke Bündel, die der Lederhaut (Dermis) ihre Festigkeit geben. Nach einer Übersichtsarbeit von Liu et al. (2024) stellt Typ I etwa 80 bis 90 % des Kollagens in der Haut [4].
Typ III: das feine Netz
Typ III ist ebenfalls ein fibrilläres Kollagen, bildet aber feinere Fasern. Er kommt vor allem in elastischen Geweben vor, etwa in der Haut, in Blutgefäßen und in inneren Organen. In der Haut liegt sein Anteil bei etwa 8 bis 12 % [4]. Typ III findet sich häufig gemeinsam mit Typ I in denselben Fasern und spielt eine Rolle bei der Organisation des Fasernetzes. In junger Haut und in heilendem Gewebe ist sein Anteil vergleichsweise hoch.
Typ I und III im Vergleich
- Anteil am Hautkollagen: Typ I etwa 80 bis 90 %, Typ III etwa 8 bis 12 %.
- Faserdicke: Typ I dick und zugfest, Typ III fein und netzartig.
- Vorkommen: Typ I in Haut, Knochen, Sehnen; Typ III in Haut, Gefäßen, Organen.
- Zusammenspiel: Beide bilden gemeinsam das Fasernetz der Lederhaut.
Was mit dem Alter passiert
Mit den Jahren verändert sich das Kollagennetz der Haut. Eine Untersuchung von Varani et al. (2006) zeigt, dass gealterte Haut weniger Kollagen Typ I und III bildet [5]. In Zellkulturen produzierten Bindegewebszellen (Fibroblasten) aus der Haut von Menschen über 80 Jahren deutlich weniger Typ-I-Prokollagen als Zellen von 18- bis 29-Jährigen. Die Autoren sehen zwei Ursachen: die Alterung der Fibroblasten selbst und eine geringere mechanische Stimulation, weil die Zellen in älterer Haut weniger Kontakt zu intakten Kollagenfasern haben.
Hinzu kommen äußere Faktoren. UV-Strahlung, Rauchen und eine unausgewogene Ernährung beschleunigen den Abbau von Kollagen. UV-Licht erhöht die Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen und aktiviert Enzyme, die Kollagen zerlegen [4]. Der wirksamste Schutz des eigenen Kollagens ist deshalb ein konsequenter Sonnenschutz.
Was „Typ 1 und 3“ auf der Verpackung bedeutet
Bei Nahrungsergänzungsmitteln bezieht sich die Typ-Angabe auf das Kollagen im Rohstoff, zum Beispiel in Fisch- oder Rinderhaut. Haut enthält natürlicherweise vor allem Typ I und III, Knorpel vor allem Typ II. Damit Kollagen trinkbar und verdaulich wird, wird es hydrolysiert, also in kurze Peptide zerlegt. Die Tripelhelix und damit die typische Struktur des jeweiligen Typs bleibt dabei nicht erhalten. Was ankommt, sind Peptide und Aminosäuren.
Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn ein Produkt verspricht, gezielt „Typ-I-Kollagen in der Haut aufzufüllen“. Der Körper baut sein Kollagen selbst auf, und zwar dort, wo er es braucht. Ob und wie stark aufgenommene Kollagenpeptide diesen Prozess beeinflussen, ist Gegenstand der Forschung. Den aktuellen Stand fassen wir im Artikel Kollagen trinken: Was Studien zeigen und was nicht zusammen.
Fazit
Typ I und Typ III sind die beiden wichtigsten Kollagene der Haut. Typ I sorgt für Festigkeit, Typ III für ein feines, flexibles Netz. Mit dem Alter und durch UV-Strahlung nimmt ihre Bildung ab. Auf Verpackungen von Nahrungsergänzungsmitteln beschreibt die Typ-Angabe den Rohstoff, nicht eine gezielte Wirkung in der Haut.
Häufige Fragen
Was bedeutet Kollagen Typ 1 und 3 bei Nahrungsergänzungsmitteln?
Die Typ-Angabe beschreibt das Kollagen im Rohstoff, zum Beispiel in Fisch- oder Rinderhaut. Durch die Hydrolyse bleibt die Tripelhelix nicht erhalten; im fertigen Produkt liegen Peptide und Aminosäuren vor.
Wie viel Kollagen Typ 1 und Typ 3 steckt in der Haut?
Typ I macht etwa 80 bis 90 % des Hautkollagens aus und bildet dicke, zugfeste Fasern. Typ III liegt bei etwa 8 bis 12 % und bildet ein feineres Netz. Beide arbeiten in der Lederhaut zusammen.
Warum bildet die Haut mit dem Alter weniger Kollagen?
Nach Varani et al. (2006) produzieren gealterte Fibroblasten deutlich weniger Typ-I-Prokollagen, zusätzlich fehlt die mechanische Stimulation durch intakte Fasern. UV-Strahlung, Rauchen und unausgewogene Ernährung beschleunigen den Abbau.
Quellen
- Ricard-Blum S. The collagen family. Cold Spring Harb Perspect Biol. 2011;3(1):a004978. doi:10.1101/cshperspect.a004978
- Shoulders MD, Raines RT. Collagen structure and stability. Annu Rev Biochem. 2009;78:929-958. doi:10.1146/annurev.biochem.77.032207.120833
- Pullar JM, Carr AC, Vissers MCM. The Roles of Vitamin C in Skin Health. Nutrients. 2017;9(8):866. doi:10.3390/nu9080866
- Liu H, Dong J, Du R, Gao Y, Zhao P. Collagen study advances for photoaging skin. Photodermatol Photoimmunol Photomed. 2024;40(1):e12931. doi:10.1111/phpp.12931
- Varani J, Dame MK, Rittie L, et al. Decreased collagen production in chronologically aged skin: roles of age-dependent alteration in fibroblast function and defective mechanical stimulation. Am J Pathol. 2006;168(6):1861-1868. doi:10.2353/ajpath.2006.051302


