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Marines Kollagen oder Rinderkollagen? Herkunft, Typen und Peptide erklärt

Fisch, Rind oder Schwein: Woher Kollagen in Nahrungsergänzungsmitteln stammt, wie es zu Peptiden verarbeitet wird und welche Unterschiede für deine Auswahl wirklich relevant sind.

· 5 Min. Lesezeit ·

Kollagen-Ampulle neben Apfelscheiben auf rosa Untergrund

Das Wichtigste in Kürze

  • Kollagen für Nahrungsergänzungsmittel stammt meist aus Fisch, Rind oder Schwein. Chemisch sind die Unterschiede kleiner, als die Werbung oft suggeriert.
  • Entscheidend für das Endprodukt ist die Verarbeitung: Durch Hydrolyse entstehen Peptide, deren Größe in Dalton angegeben wird.
  • In der Meta-Analyse von Pu et al. (2023) stammte das Kollagen in 14 von 26 Studien aus Fisch. Bei der Elastizität fanden die Autoren keinen signifikanten Unterschied zwischen den Quellen.
  • Für deine Auswahl zählen vor allem Ernährungsform, Allergien, Zertifizierungen und Transparenz des Herstellers.

Wer sich mit Kollagen beschäftigt, stößt schnell auf die Frage nach der Herkunft. „Marine Collagen“ gilt in vielen Shops als Premium-Variante, Rinderkollagen als günstige Alternative. Doch was steckt dahinter? In diesem Artikel erklären wir, woher Kollagen kommt, wie es verarbeitet wird und welche Unterschiede belegt sind.

Kollagen: ein Protein, viele Quellen

Kollagene sind die häufigsten Proteine bei Säugetieren. Die Kollagenfamilie umfasst 28 Mitglieder, die alle mindestens einen dreifach gewundenen Abschnitt, die sogenannte Tripelhelix, enthalten [1]. Sie geben Geweben wie Haut, Knochen, Sehnen und Knorpel Struktur und Festigkeit. Weil Kollagen im Bindegewebe von Tieren in großen Mengen vorkommt, lassen sich Haut, Knochen oder Schuppen aus der Lebensmittelverarbeitung als Rohstoff nutzen.

Für Nahrungsergänzungsmittel kommen vor allem drei Quellen zum Einsatz:

  • Fisch (marines Kollagen): meist aus Haut und Schuppen von Speisefischen, die bei der Filetverarbeitung anfallen.
  • Rind (bovines Kollagen): aus Rinderhaut und Knochen.
  • Schwein (porcines Kollagen): vor allem aus Schweineschwarte.

Daneben gibt es Kollagen aus Huhn, meist aus Knorpel. Echtes Kollagen aus Pflanzen gibt es nicht. Vegane Produkte enthalten stattdessen einzelne Aminosäuren oder Pflanzenstoffe, die als „Kollagen-Booster“ vermarktet werden.

Von der Fischhaut zum Peptid: die Hydrolyse

Natives Kollagen ist ein sehr großes Molekül und in Wasser kaum löslich. Durch Erhitzen entsteht zunächst Gelatine. In einem weiteren Schritt spalten Enzyme die langen Ketten in kleinere Bruchstücke, die Kollagenpeptide. Diesen Vorgang nennt man enzymatische Hydrolyse. Je länger und gezielter hydrolysiert wird, desto kleiner sind die Peptide. Angegeben wird das als mittleres Molekulargewicht in Dalton (Da). Typische Werte für Kollagenpeptide liegen im Bereich weniger tausend Dalton.

Warum ist das relevant? Kleinere Peptide lösen sich besser in Wasser, schmecken neutraler und lassen sich in Getränke einarbeiten, ohne zu gelieren. Forschende konnten außerdem zeigen, dass nach der Einnahme von Kollagenhydrolysaten bestimmte kurze Peptide wie Prolyl-Hydroxyprolin im Blut nachweisbar sind [2]. Mehr dazu erklären wir im Artikel Wie Kollagenpeptide aufgenommen werden.

Was die Forschung zu den Quellen sagt

Viele Werbeaussagen behaupten, marines Kollagen sei „besser verfügbar“ oder „wirksamer“ als Rinderkollagen. Direkte Vergleichsstudien zwischen den Quellen am Menschen sind allerdings selten. Etwas Orientierung bietet die Meta-Analyse von Pu et al. aus dem Jahr 2023, die 26 randomisierte Studien mit 1.721 Teilnehmenden auswertete [3]. Davon nutzten 14 Studien Kollagen aus Fisch, je eine Studie Rind und Huhn, zwei Studien Schwein, und bei neun Studien war die Quelle nicht angegeben. Bei der Elastizität fanden die Autoren keinen signifikanten Unterschied zwischen den Quellen. Bei der Hautfeuchtigkeit hingen die Ergebnisse dagegen von Quelle und Einnahmedauer ab. Da die meisten Studien mit Fischkollagen arbeiteten, ist der Vergleich aber statistisch nicht ausgewogen.

Eine Übersichtsarbeit von Rahman et al. (2024) im Fachjournal Marine Drugs fasst Labor-, Tier- und Humanstudien zu marinem Kollagen zusammen und beschreibt es als beliebte und gut verträgliche Quelle [4]. Solche Reviews sind hilfreich für den Überblick, ersetzen aber keine sauberen Vergleichsstudien. Unser ehrliches Zwischenfazit: Die Datenlage erlaubt nicht die Aussage, dass eine Quelle grundsätzlich überlegen ist. Wie generell zur Studienlage bei Kollagen geforscht wird, liest du in Kollagen trinken: Was Studien zeigen und was nicht.

Die Unterschiede, die für dich wirklich zählen

1. Ernährungsform

Wer kein Fleisch isst, aber Fisch, findet in marinem Kollagen eine passende Option. Für Vegetarierinnen und Veganerinnen kommt keine der tierischen Quellen infrage.

2. Allergien

Fischkollagen ist für Menschen mit Fischallergie nicht geeignet. Fisch gehört zu den 14 Hauptallergenen, die in der EU auf der Zutatenliste hervorgehoben werden müssen. Rinder- und Schweinekollagen sind keine kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene.

3. Religiöse Speisevorschriften

Schweinekollagen ist für Musliminnen und Jüdinnen, die sich an religiöse Speisevorschriften halten, ausgeschlossen. Rinderkollagen ist nur akzeptabel, wenn die Tiere entsprechend geschlachtet wurden. Fisch gilt in vielen Auslegungen als unproblematisch. Eine Halal-Zertifizierung schafft hier Sicherheit, weil sie die gesamte Lieferkette und Produktion prüft.

4. Herkunft und Nachhaltigkeit

Marines Kollagen wird häufig aus Nebenprodukten der Fischverarbeitung wie Haut und Schuppen gewonnen, die sonst ungenutzt blieben [5]. Wie nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist, hängt aber von der Fischart, dem Fanggebiet und der Lieferkette ab. Frag im Zweifel beim Hersteller nach.

5. Transparenz

Gute Hersteller geben die Herkunft, das Molekulargewicht der Peptide, die Dosis pro Tagesportion und die Qualitätsstandards der Produktion (zum Beispiel GMP oder ISO 22000) offen an. Fehlen diese Angaben, ist Skepsis angebracht.

Typ I, Typ III und die Frage nach den Kollagentypen

Auf vielen Verpackungen steht „Typ 1 und 3“ oder „Typ 2“. Diese Angaben beziehen sich auf die Kollagentypen im Rohstoff. Typ I und Typ III sind die Haupttypen in Haut und Bindegewebe, Typ II findet sich vor allem im Knorpel. Durch die Hydrolyse wird die ursprüngliche Struktur allerdings aufgelöst, sodass im fertigen Produkt Peptide vorliegen. Ausführlich erklären wir das im Artikel Kollagen Typ 1 und 3.

Fazit

Marines Kollagen und Rinderkollagen unterscheiden sich vor allem in Herkunft, Allergenen und Eignung für bestimmte Ernährungsformen. Eine belegte Überlegenheit einer Quelle gibt es nach aktuellem Stand nicht. Achte bei der Auswahl auf Transparenz, Dosisangaben, Zertifikate und darauf, dass der Hersteller keine Heilsversprechen macht.

Häufige Fragen

Ist marines Kollagen besser als Rinderkollagen?

Nach aktuellem Stand nicht belegt. Direkte Vergleichsstudien am Menschen sind selten. In der Meta-Analyse von Pu et al. (2023) fand sich bei der Elastizität kein signifikanter Unterschied zwischen den Quellen; bei der Hautfeuchtigkeit hingen die Ergebnisse von Quelle und Einnahmedauer ab.

Woraus wird marines Kollagen gewonnen?

Meist aus Haut und Schuppen von Speisefischen, die bei der Filetverarbeitung anfallen. Durch Erhitzen und enzymatische Hydrolyse entstehen daraus Kollagenpeptide, deren Größe in Dalton angegeben wird.

Welche Kollagenquelle passt bei Allergien oder religiösen Vorschriften?

Fischkollagen ist bei Fischallergie ungeeignet, Fisch zählt zu den 14 Hauptallergenen. Schweinekollagen scheidet bei religiösen Speisevorschriften aus, Rinderkollagen nur bei entsprechender Schlachtung. Eine Halal-Zertifizierung prüft die gesamte Lieferkette.

Quellen

  1. Ricard-Blum S. The collagen family. Cold Spring Harb Perspect Biol. 2011;3(1):a004978. doi:10.1101/cshperspect.a004978
  2. Iwai K, Hasegawa T, Taguchi Y, et al. Identification of food-derived collagen peptides in human blood after oral ingestion of gelatin hydrolysates. J Agric Food Chem. 2005;53(16):6531-6536. doi:10.1021/jf050206p
  3. Pu SY, Huang YL, Pu CM, et al. Effects of Oral Collagen for Skin Anti-Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2023;15(9):2080. doi:10.3390/nu15092080
  4. Rahman A, Rehmani R, Pirvu DG, et al. Unlocking the Therapeutic Potential of Marine Collagen: A Scientific Exploration for Delaying Skin Aging. Mar Drugs. 2024;22(4):159. doi:10.3390/md22040159
  5. Martins E, Diogo GS, Pires R, Reis RL, Silva TH. 3D Biocomposites Comprising Marine Collagen and Silica-Based Materials Inspired on the Composition of Marine Sponge Skeletons Envisaging Bone Tissue Regeneration. Mar Drugs. 2022;20(11):718. doi:10.3390/md20110718

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Die beschriebenen Studienergebnisse beziehen sich auf die jeweils untersuchten Präparate, Dosierungen und Personengruppen und lassen sich nicht auf ein bestimmtes Produkt übertragen. Für Kollagen, Hyaluronsäure, Astaxanthin und MSM gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.

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